Was spricht für den Lohnunternehmer?

In der Tat hat es etwas für sich seine eigenen Maschinen zu besitzen. Als Argumente werden oft angeführt die zeitliche Flexibilität, Zuschüsse/Subventionen, welche die Anschaffung erleichtern, freie eigene Mittel. Aber rechnet sich das wirklich?

Hier mal einige Fakten pro Lohnunternehmer:

  • Keine Kapitalbindung
  • Sofortige komplette steuerliche Abzugsfähigkeit
  • Maschinen befinden sich immer auf dem neuesten Stand
  • Aktuelle Trends wie zum Beispiel andere Verschlüsse der Flaschen können wahrgenommen werden, ohne erneut Kapital einsetzen zu müssen.
  • Keine Lagerfläche für die Maschinen notwendig
  • Fachkundiges Personal, welches durch seine Erfahrung/ständiges Arbeiten mit Maschinen und Material auch komplexe Probleme löst.
  • Die Tagesleistung bei Lohnunternehmern liegt meist höher als bei Weingütern, die mit den gleichen Maschinen arbeiten.

Unten finden Sie eine von mir aufgestellte Beispielrechnung, welche die Vorteile durch die Arbeit von Lohnunternehmen klar aufzeigt:

Beispielrechnung für einen Füller und Etikettiermaschine mit einer Stundenleistung von 2500 Flaschen/Stunde:

Abfüllblock mit Flaschensterilisator, Vorevakuierung, 12er Füller, CO2 Überlagerung, Korkverschließer, Anrollkopf für Drehverschlüsse inklusive Sternsätze für 3 Flaschensorten ca.netto: 110.000,00 €.

Etikettiermonoblock mit Flaschenaußenwascher/Trockner, Kapselverarbeitung Schrumpf/Anrollkapseln, Etikettierung mit 3 Stationen ca. netto: 70.000,00 €.

Weiteres benötigtes Zubehör:

  1. Gehäuse für Schichten + Kerzenfilter ca.: 5.000,00 €
  2. Pumpe + Schläuche ca.: 1.500,00 €
  3. Pressluftversorgung für Etikettiermaschine und Füller incl. Lebensmittelhygienischer Luftaufbereitung für Füller ca.: 5.000,00 €
  4. Kartonverschließer ca.: 2.500,00 €
  5. Flaschentransportband zum Koppeln beider Maschinen (2 Meter) + Aufbau ca.: 5.000,00 €

Zusammen: 199.000,00 €

Jährliche Abschreibung AFA bei 6 Jahren: 33.166,66 €/jährlich!

Jährliche Abschreibung AFA bei 10 Jahren: 19.900,00 €/jährlich!

In diesen Zahlen sind noch keine Reparaturen eingerechnet, welche sich erfahrungsgemäß in den ersten drei Jahren bei ca. 1,5% und danach bei bis zu 3% des Neuwertes einpendeln.

Bitte bedenken Sie auch, dass in der Regel bei eigenen Maschinen die Tages/Stundenfüllleistung abnimmt, was somit höhere Personal- und Energiekosten zur Folge hat.

Ohne Reparaturen und Minderleistung zu berücksichtigen, liegt der derzeitige Nullpunkt der Menge, bei der es sich also rechnet eine eigene Maschine zu kaufen, bei ca.: 150.000 Flaschen.

Nicht beachtet wurde hierbei die Bereitstellung/Finanzierung des Platzbedarfs zur Lagerung und zum Arbeiten mit den Maschinen (Füllraum) und Zinskosten, welche bei der Finanzbeschaffung entstehen.

Fazit:

Nimmt man alle harten und weichen Faktoren zusammen, so sind mindestens 200.000 Flaschen/jährlich als absolute Untergrenze für den wirtschaftlichen Betrieb einer eigenen Fülllinie anzunehmen.